Viele Insurtechs entwickeln innovative Produkte rund um vernetzte Geräte, digitale Plattformen oder datenbasierte Versicherungsmodelle. Nutzungsdaten, Sensordaten oder Zustandsinformationen schaffen neue Möglichkeiten – für Prävention, individualisierte Tarife oder intelligente Services.
Doch genau dort, wo Daten zum Geschäftsmodell werden, beginnt häufig auch die regulatorische Herausforderung.
Während Datenschutz und IT-Sicherheit bei vielen Projekten von Anfang an berücksichtigt werden, gerät der Data Act oft erst dann in den Fokus, wenn Produkte bereits entwickelt oder Kooperationen mit Versicherungsunternehmen vorbereitet sind. In diesem Stadium können notwendige Anpassungen erheblichen zusätzlichen Aufwand verursachen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
"Gilt der Data Act irgendwann für uns?"
Sondern:
"Berücksichtigen wir seine Anforderungen bereits dort, wo unser Geschäftsmodell entsteht?"
Warum Insurtechs besonders betroffen sein können
Viele Insurtechs bieten heute smarte Produkte oder verbundene Dienste an. Dabei entstehen fortlaufend Daten, die für unterschiedliche Zwecke genutzt werden können – etwa für Schadenprävention, Risikobewertung oder gemeinsame Angebote mit Versicherungsunternehmen.
Genau diese Daten stehen im Mittelpunkt des Data Act.
Wer ein solches Produkt oder einen entsprechenden Dienst anbietet, übernimmt häufig die Rolle des Dateninhabers. Damit gehen nicht nur wirtschaftliche Chancen einher, sondern auch regulatorische Pflichten. Insbesondere dann, wenn Nutzer Zugang zu Daten verlangen oder Daten innerhalb einer Kooperation weitergegeben werden sollen.
Die rechtliche Bewertung sollte deshalb nicht erst erfolgen, wenn Verträge ausgehandelt oder Produkte kurz vor dem Marktstart stehen. Je früher regulatorische Fragen geklärt werden, desto einfacher lassen sich technische und organisatorische Anforderungen berücksichtigen.
Fünf Fragen, die sich jedes Insurtech stellen sollte
Viele Unternehmen können diese Fragen nicht eindeutig beantworten. Genau darin liegt häufig das größte Risiko.
1. Fällt unser Produkt überhaupt in den Anwendungsbereich des Data Act?
Nicht jedes digitale Angebot unterliegt automatisch den neuen Regelungen. Entscheidend ist unter anderem, ob ein smartes Produkt oder ein verbundener Dienst vorliegt und welche Daten dabei erzeugt oder verarbeitet werden.
2. Welche Rolle nehmen wir rechtlich ein?
Wer Dateninhaber ist, entscheidet nicht nur über wirtschaftliche Möglichkeiten, sondern kann auch gesetzliche Verpflichtungen gegenüber Nutzern auslösen.
3. Welche Daten dürfen innerhalb einer Kooperation mit Versicherern genutzt werden?
Viele Geschäftsmodelle leben davon, Daten gemeinsam auszuwerten oder für neue Produkte einzusetzen. Dabei stellt sich regelmäßig die Frage, unter welchen Voraussetzungen Daten weitergegeben oder gemeinsam genutzt werden dürfen.
4. Sind unsere Datenflüsse überhaupt sauber dokumentiert?
In der Praxis entstehen Daten häufig über verschiedene Systeme hinweg – etwa zwischen Hardware, App, Plattform und Versicherer. Gerade diese Schnittstellen sollten frühzeitig überprüft werden.
5. Greift möglicherweise eine Ausnahme nach Art. 7 Data Act?
Ob eine Ausnahmevorschrift im Einzelfall anwendbar ist, kann erhebliche Auswirkungen auf die rechtliche Bewertung haben. Sie ersetzt jedoch keine vollständige Prüfung der jeweiligen Datenflüsse und Kooperationsmodelle.
Der eigentliche Fehler passiert häufig schon viel früher
In der Praxis liegt das Problem selten darin, dass Unternehmen regulatorische Anforderungen bewusst ignorieren.
Viel häufiger werden Produkte zunächst technisch entwickelt, Geschäftsmodelle konzipiert und Kooperationen vorbereitet. Erst anschließend stellt sich die Frage, ob sämtliche regulatorischen Anforderungen tatsächlich berücksichtigt wurden.
Dann zeigt sich häufig:
- Datenflüsse müssen angepasst werden.
- Verträge benötigen umfangreiche Änderungen.
- Prozesse müssen neu organisiert werden.
- Produkte müssen technisch nachgebessert werden.
Diese Anpassungen verursachen nicht nur zusätzliche Kosten. Sie können auch Projekte verzögern und geplante Kooperationen erschweren.
Deshalb empfiehlt es sich, den Data Act bereits während der Produktentwicklung mitzudenken – nicht erst unmittelbar vor dem Marktstart.
Worauf Insurtechs jetzt achten sollten
Ein strukturierter Prüfungsprozess hilft dabei, regulatorische Risiken frühzeitig zu erkennen.
Insbesondere sollten Unternehmen prüfen,
- ob das eigene Angebot in den Anwendungsbereich des Data Act fällt,
- welche Rolle sie als Dateninhaber einnehmen,
- welche Daten tatsächlich entstehen,
- welche Zugangsrechte Nutzer besitzen,
- wie Datenflüsse dokumentiert sind,
- welche Besonderheiten bei Kooperationen mit Versicherungsunternehmen bestehen,
- ob Art. 7 Data Act relevant sein kann,
- und welche Grenzen für die Weitergabe von Daten gelten.
Je früher diese Fragen beantwortet werden, desto einfacher lassen sich Produkte und Kooperationen rechtssicher gestalten.
Checkliste: Data Act für Insurtechs
Sie möchten wissen, ob Ihr Geschäftsmodell bereits die wesentlichen Anforderungen des Data Act berücksichtigt?
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Unter anderem erfahren Sie:
✓ Fällt Ihr Produkt unter den Data Act?
✓ Nehmen Sie die Rolle eines Dateninhabers ein?
✓ Kann Art. 7 Data Act für Ihr Geschäftsmodell relevant sein?
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